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Clausthaler Materialforscher setzen auf Biologisierung

06.03.2019

Clausthal-Zellerfeld. Biologisierung – das Zusammenführen technischer und biologischer Komponenten und Prozesse – liegt im Trend. Auch das Clausthaler Zentrum für Materialtechnik (CZM) arbeitet auf diesem Gebiet mit der Industrie zusammen und möchte den Bereich ausbauen. Dies betonten Teilnehmende aus Forschung, Industrie und Politik – darunter Universitätspräsident Professor Joachim Schachtner und Bundestagsmitglied Dr. Roy Kühne – auf einer Veranstaltung im CZM.

TU-Präsident Professor Joachim Schachtner und Bundestagsmitglied Dr. Roy Kühne (rechts) betrachten die von Clausthaler Forschern entwickelte Separationseinheit. Foto: Kreutzmann

Im vergangenen Herbst ist in dem Forschungszentrum ein Reinraum für High-Tech-Forschung im Mikromaßstab in Betrieb genommen worden. „Der Reinraum hat uns eine neue Welt eröffnet in der biopharmazeutischen Forschungsthematik“, sagte CZM-Vorstandsmitglied Professor Gerhard Ziegmann. Daneben nutzen Clausthaler Messtechniker um Professor Christian Rembe das Polymermikrosystemlabor und den Reinraum für Forschung auf dem Gebiet der Sensorik und perspektivisch auch Biosensorik. Mittels Polymersystemen in optischen Anwendungen wollen sie beispielsweise erreichen, dass man Bauteile besser zerstörungsfrei prüfen kann.

Ausgangspunkt für die Kooperation der TU Clausthal mit der Industrie in der Medizintechnik war das Projekt „Zellclean“, das finanziert wurde über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Sebastian Sdrenka, Doktorand am Institut für Polymerwissenschaften und Kunststofftechnik, stellte es vor: Um bestimmte Zellen kostengünstig aus einer Blutprobe herauszufiltern, haben die Clausthaler zusammen mit dem Göttinger Unternehmen IBA GmbH eine Separationseinheit als Aufsatz für eine Spritze entwickelt. Diese Einweg-Separationseinheit, hergestellt mittels Mikrospritzgusstechnik, beinhaltet ein sehr feines Membrangewebe, das die Trennmatrix auf Agarose-Basis (ein Mehrfachzucker) zurückhält, aber Blutzellen passieren lässt. „Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Markeinführung“, berichtete Sdrenka. Folgeprojekte, basierend auf neuen Ideen für die Schnittstelle zwischen Technik und Biologie, seien bereits vereinbart oder angeschoben worden. Dabei komme auch der 3D-Druck ins Spiel.

Die Forschung auf dem Feld von Messtechnik und Sensorik erläuterte Thorben Ziemer, Doktorand am Institut für Elektrische Informationstechnik. Der Ansatz zielt darauf ab, optische Sensoren zu miniaturisieren. Messsysteme von derzeit zehn Zentimetern Kantenlänge könnten auf ein Zehntel verringert werden. Dabei seien Sensoren auf Polymerbasis vielseitig einsetzbar und wie mit der Laserlithografie-Methode günstig zu produzieren. Dies mache sie enorm interessant für Forschungseinrichtungen und kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Auch IBA-Geschäftsführer Dr. Joachim Bertram „möchte die Biologisierung mit Leben füllen“. Das mittelständische Biotechnologie-Unternehmen, das neben der TU Clausthal mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) kooperiert, will die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft ausbauen. Ein Aspekt könnten Verbundwerkstoffe mit natürlichen Komponenten an der Oberfläche sein, sagte er. Nach Ansicht von Bundestagsmitglied Kühne (Wahlkreis Goslar-Northeim-Osterode) könnte Biologisierung künftig für moderne Prothesen, Implantate oder auch bei der Sensorik in Flugzeugen eine Rolle spielen. „Wir bleiben an dem Thema dran“, versicherte TU-Präsident Professor Schachtner und verwies auf den Technologietransfer als dritte wichtige Säule einer Universität neben Forschung und Lehre.

 

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